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Ich werde jeweils im Abstand von zwei Wochen zwei Mal etwas Positives berichten und beim dritten Mal dann ein wenig über die Auswüchse des Zeitgeistes "lästern", oder auch nicht..

9.6. Passiv fahren, passiv trinken, passiv essen & passiv rauchen

 

Wie erlebt jemand die heutige Zeit, der weder raucht, noch trinkt, noch Auto fährt und auf Zucker verzichtet? Der anders gesagt nur „passiv“ raucht,  „passiv“ Alkohol trinkt, „passiv“ Auto fährt und „passiv“ Zucker zu sich nimmt? Erstmals ganz gut, danke der Nachfrage! Denn ich habe mich dafür bewusst entschieden, nachdem ich jeweils langjährige Affären mit Nikotin, Alkohol und Zucker hatte. Nur dem Auto konnte ich nie etwas abgewinnen.

 

„Passiv“ autofahren

2015 gab es in Österreich 124.000 km Straßen, durch die über 2.000 Quadratkilometer Land verbaut sind. Was gibt es Hässlicheres als den Gürtel oder die Tangente in Wien, bzw. all die Stadtautobahnen weltweit, deren Resultat eine massive Zerstörung von Lebensraum ist? 
2018 wurden 23.709 Personen in Österreich als PKW-Insassen verletzt. Wie viele davon schwer, bzw. leicht konnte ich nicht eruieren. Bei den Gesamtunfällen im Straßenverkehr 2018 war das Verhältnis von „7.631 schwer“ zu „38.894 leicht“. Da sind aber auch Fahrradunfälle etc. dabei, die mit dem Auto nur teilweise etwas zu tun haben. Wenn man zusätzlich den Lärm, die Abgase, den C02-Ausstoss (Österreich liegt mit 2.490 Kilogramm CO2 pro Kopf um rund 50 Prozent höher als der EU-Schnitt)
und die Verunstaltungen der Städte durch die Parkplätze dazurechnet, dann muss ich feststellen: Ich habe KEINE Wahl. Das Auto bestimmt mein tägliches Leben in einem nicht wegzuleugnenden Ausmaß und die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Verkehrsunfalles zu werden, ist allgegenwärtig. Vor einer Woche hat mich am Gürtel während des Laufens beinahe ein LKW bei Grün auf dem Zebrastreifen „erwischt“.

Und jedes Jahr gibt es in Österreich mehr Autos, 2018 lag der Stand bei 4,98 Mio. angemeldeten Wagen. Nur in Wien ist die Tendenz leicht rückläufig.    
Fazit: Man ist hilflos ausgeliefert und hat keine Wahl!

 

„Passiv“ trinken

In Österreich gelten 340.000 Menschen als alkoholkrank und weitere 735.000 konsumieren regelmäßig Alkohol in einem gesundheitsschädlichen Ausmaß. Anders ausgedrückt: 1/3 der Alkoholmenge trinken Alkoholkranke, 1/3 Personen mit problematischem Alkoholkonsum und 1/3 Personen mit unbedenklichem Trinkverhalten. Ca. 20% aller Straftaten werden unter massivem Alkoholeinfluss begangen und 2018 gab es 2.959 Verletzte bei 2.291 Alkoholunfällen im Straßenverkehr. Schwer wiegt der Alkoholkonsum in der Familie, dessen Folgen die Kinder meist völlig wehrlos ausgesetzt sind, bleibende Schäden davon tragen und später selber oft alkoholkrank werden. Die volkswirtschaftlichen Schäden durch den Alkohol sind gravierend, und praktisch jeder ist mit dem Alkoholismus auf irgend eine Art & und  Weise konfrontiert, sei es im Beruf, unter Freunden oder in der Familie.
Fazit: Man hat kaum eine Wahl. In den meisten Fällen kann man nur zuschauen und verlieren.

 

 

„Passiv“ Zucker essen

Das dritte Problem ist der stark süchtig machende (Industrie) Zucker, durch dessen exzessiven Konsum - vor allem bei Kindern, die Grundlagen für späteres Suchtverhalten gelegt werden. Der Zucker beherrscht mehr oder weniger einen Großteil des  pädagogischen Verhaltens Kinder gegenüber wird vor als Belohnung jeglicher Art eingesetzt. Ich kenne auch nur wenige Eltern, die der manipulativen Möglichkeit des Zuckers widerstehen und ihre Kinder mühe-, aber liebevoll ohne chemische Süßigkeiten, die praktisch in jedem Geschäft, - sogar in der Post an vorderster Front erhältlich sind, zu erziehen versuchen.  Ich selber bin übrigens auch so aufgewachsen und hatte es meiner Mutter deswegen nicht immer leicht gemacht.  
Der Zuckerkonsum hat sich in  den letzten fünfzig Jahren verdreifacht und seit einem Gerichtsbeschluss 1988  in Deutschland darf man den (chemisch isolierten Fabrik) Zucker als Schadstoff bezeichnen, der für zahlreiche Zivilisationskrankheiten wie Fettleibigkeit, Typ-2 Diabetes, Bluthochdruck, nichtalkoholische Fettleber und Krebs verantwortlich ist. 
In 80% aller Fertigspeisen ist Zucker unter über fünfzig verschiedenen Bezeichnungen zu finden. Anders gesagt, es gibt praktisch nichts mehr ohne Zucker als Geschmacksverstärker, nicht mal Naturjoghurt. Und es gibt nirgends Warnhinweise. Praktisch alle erhältlichen  „gesunden“ Säfte sind Zuckerbomben der heftigeren Art. Von Red Bull und Coca-Cola ganz zu schweigen. Die Politik lässt sich von der Lebensmittelindustrie, die auch in Österreich nachweislich mit falschen und gefälschten Zahlen operiert, kaufen, schweigt und züchtet so konsumbereite süchtige Jugendliche heran. Die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen im Gesundheitsbereich sind katastrophal.

Fazit: Auf Zucker gänzlich  zu verzichten ist praktisch unmöglich. Man hat kaum eine Wahl!

 

 

„Passiv“ rauchen.

Was haben die folgenden Schadstoffe Kohlenmonoxyd Kohlendioxyd, Stickoxide Arsen, Blei, Benzol, Dioxin, Schwefeldioxyd gemeinsam? Sie stammen alle aus Abgasen von Autos und aus dem Rauch von Zigaretten. In beiden Fällen dürfte es schwierig, wenn nicht unmöglich sein, einen direkten Kausalzusammenhang zwischen den Schadstoffen und der Todesursache im Passivbereich festzustellen. Und offensichtlich gibt es keine glaubhaften und vernünftigen Studien zum Thema Passivrauchen, d.h. es werden beliebig Zahlen kolportiert, die wissenschaftlichen Grundlagen entbehren. So schaut es z.B. in der Schweiz aus: Die Schätzung der durch Passivrauchen potentiell verlorenen Lebensjahre (YLL, years of life lost) lag bei 969 Jahren oder 0,3 % der insgesamt potenziell verlorenen Lebensjahre. Die passivrauch-bedingte Krankheitslast wird in der Schweiz auf 0,2 % der gesamten Krankheitslast geschätzt.“ 

Wenn der Staat bzw. die Gesellschaft das Rauchen verbieten wollen, dann soll das auch so gesagt und durchgeführt werden und nicht über den fadenscheinigen Umweg einer nicht wirklich nachweisbaren Schädlichkeit des Passivrauchens. Warum sollen die Lokale nicht selber entscheiden können, ob man rauchen darf oder nicht? Warum will sich der Staat ausgerechnet hier einmischen? Dass man in allen öffentlichen Gebäuden nicht rauchen darf, ist richtig und gut so, aber wie öffentlich sind z.B. eine Bar oder ein Bordell? Offensichtlich sind die stigmatisierten Raucher nun an allem Schuld, was Auto, Alkohol und Zucker so alles angerichtet haben/anrichten. „Bigott“ wäre vielleicht der passende Fachausdruck.  

Im Gegensatz zum Auto, zum Alkohol und zum Zucker,  kann man als Zivilperson dem Rauchen problemlos entgehen, sofern man nicht ein Raucherlokal aufsucht. Und das muss man ja nicht. Und Kinder haben dort sowieso nichts verloren. Man hat eine Wahl! Aber das Beste zum Schluss: Wo man dem Rauch wirklich kaum ausweichen kann, wo man kreuzweise von allen Seiten (dank Dauerwindes in Wien) „zugetschickt“ wird, und zwar so stark, dass es selbst sehr toleranten Nichtrauchern wie mir zu viel wird, ist im Gastgarten. Der fällt aber nicht unter das Rauchverbot in der Gastronomie. Soll er auch nicht, aber vielleicht könnten die Gastwirte in den Schanigärten Nichtraucherbereiche einführen..

 

Raucher schaden im Gegensatz zu den Alkoholikern oder Autofahrern nur sich selber, auch wenn das Rauchen für Nichtraucher äusserst nervig ist! Jedem Menschen muss das Recht zugestanden werden, sich selbst zerstören, sofern er andere damit nicht schädigt. Genau so, wie jeder Mensch das Recht haben sollte, im entscheidenden Moment Sterbehilfe in Anspruch nehmen zu können.


mathias rüegg