Blog 28.12.
My Favorite Composer I

Billy Strayhorn - PART 2

Player 6 – Something To Live For

Lyrics by Billy Strayhorn
I have almost ev'ry thing a human could desire,
Cars and houses, bear-skin rugs to lie before my fire
But there's something missing,
Something isn't there,
It seems I'm never kissing the one whom I care for.
I want Something To Live For
Someone to make my life an adventurous dream
Oh, what wouldn't I give for 
Someone who'd take my life 
And make it seem gay as they say it ought to be.
Why can't I have love like that brought to me?
My eye is watching the noon crowds 
Searching the promenades seeking a clue
To the one who will someday be my 
Something To Live For.
I want Something To Live For
Someone to make my life an adventurous dream
Oh,…

 

1 Hour with Duke Ellington, CBS 1986

Über dieses posthum erschienene Album gibt es kaum Informationen. Dafür spielt Harry Carney – der sein ganzes Leben im Orchester von Duke verbracht hatte, und kurz nach dessen Tod ebenfalls starb –eindrucksvoll das Thema.

André Previn At Sunset, Polydor 1972

Der ebenso als klassischer Dirigent und Komponist bekannte Jazzpianist in einer schlichten und überraschenden Stride-Version.

Roland Hanna Duke Ellington Piano Solos, Music Masters 1991

Sir Roland Hanna, der u.a. dreizehn Soloalben veröffentlich hat – ich hatte ihn anfangs der 70er-Jahre mal live in Montreux gehört – in einer opulenten orchestralen Soloversion.

Bobby TimmonsDo You Know The Way? Milestones 1968

Der legendäre Pianist der Jazz Messengers beginnt mit einer langen kompromisslosen, teilweise wilden Einleitung, bevor sich der E-Bassist Bob Cranshaw und Jack DeJohnette dazu gesellen. Man beachte das Releasejahr!

Steve Lacy with Don Cherry Evidence, New Jazz 1962

Steve Lacy in einer Medium Swing-Version, auf der Don Cherry übrigens nicht zu hören ist, dafür mit einem Solo des Bassisten Carl Brown.

 

Player 7 – The Star-Crossed Lovers

Diese Strayhorn-Komposition von 1957, die erstmals auf dem Album Such Sweet Thunder im Rahmen des Shakespeare Festivals in Ontario ​erschienen ist, bezieht sich auf die Charaktere "Romeo und Julia" .

  

Duke Ellington Such Sweet Thunder, Columbia Rec. 1957

Die zwölfteilige Suite Such Sweet Thunder, die sich an den Charakteren von Shakespeares Sommernachtstraum orientiert, finde ich zusammen mit der Peer Gynt Suite die beste der dreizehn Suiten von  Strayhorn/Ellington. 

Daniel BarenboimTribute to Duke Ellington, Teldec Classics 1999

Einer der erstaunlichsten Musiker und Menschen ist der argentinisch-israelisch- palästinensische Brückenbauer, Pianist und Dirigent Daniel Barenboim – den die meisten allerdings nur aus der Klassik kennen – hier auf einem Ellington Tribute-Album in einem Arrangement von Cliff Colnot.
Hier kann man Barenboim zuschauen beim Jazzspielen und im Duo mit Martha Argerich

Pepper AdamsEncounter, Art Union Records 1990

Baritonist Pepper mit dem Tenoristen Zoot Sims in einer ganz in sich ruhenden superballadesken Version mit Edelrhythmusgruppe Tommy Flanagan, Ron Carter und Elvin Jones.

Eric Alexander Solid!, Milestone 1990

Ich habe den amerikanischen Tenoristen Eric Alexander, von dem eine wunderschöne unaufgeregte Aufnahme im Duo mit John Hicks vorliegt, nicht gekannt.

https://en.wikipedia.org/wiki/Solid!

Robert Bachner & VAO - Duke Ellington's Sound of Love, Vol 2

Robert Bachner hatte auf dieser Liveaufnahme aus dem Porgy & Bess am 29.06.2003 das Solo seines Lebens gespielt. In größeren Räumen hatten die Bläser die Backgrounds jeweils im Publikum verteilt gespielt.

 

Player 8

Peer Gynt Suite

Swinging Suites by Edward E. & Edward G – Columbia 1961

Die zweiteilige Peer Gynt Suite stammt von Eduard Grieg, die er zum gleichnamigen Bühnenstück von Henrik Ibsen verfasst hatte und die 1876 uraufgeführt worden ist. Sie besteht aus insgesamt acht Sätzen, wobei Strayhorn nur die ersten vier und den letzten genommen hat.

Die Peer Gynt Stiftung in Norwegen hatte übrigens den Schallplattenverkauf dieser Version verboten.
Besonders gelungen finde ich die Bearbeitung von Anitra’s Dance, der im Player die Originalversion mit Andy Scherrer vorangestellt ist. 

 

 

Player 9 Peer Gynt Suite - Original Version
CSSR State Philharmonic Orchestra

 

Player 10 Duke Ellington & Billy Strayhorn Duo 

Great Times, Riverside 1950

Das beste Stück das die beiden Pianisten virtuos und witzig in Slapstick-Manier präsentieren, ist Tonk. Die beiden Pianisten sind nur schwer auseinanderzuhalten. Aber ich glaube, dass Ellington den härteren Anschlag als Strayhorn hat. Bang-Up Blues klingt fast wie Monk's Blue Monk und Great Times ist ebenfalls ein Blues mit vielen Dialogen, von eher ungewöhnlichen Phrasierungen der beiden Pianisten gespeist.

 
 

Player 11
Take The A-Train

Oscar Peterson Solo, Pablo 2002

Nachdem der erste Player mit Strayhorn's letztem Stück Blood Count begonnen hat, muss der letzte Player folgerichtig mit Strayhorn's erstem Stück beginnen. Oscar Peterson in einer fulminanten Soloversion von 1972. Wer eine gültige Definition für Jazz sucht, der findet hier die ultimative Antwort!

Fazit: Was mir bei der Erstellung dieses Blogs, sprich bei der Auswahl dieser wunderbaren Interpretationen von Strayhorn's genialen Balladen, klar geworden ist, ist die unglaubliche Vielfalt, die der Jazz zu bieten hat(te) (wobei wir zum allergrößten Teil von Schwarzer Jazzmusik reden müssen! Siehe auch mein Blog 400 Jahre Sklaverei). Das hat es so in keiner anderen Musik, nicht mal ansatzweise, je gegeben! Auch wenn die Klassiker das nicht gerne hören mögen, aber die interpretatorischen, ja selbst die klanglichen Unterschiede sind am Schluss minimal, weil es ja ausschließlich um den Komponisten geht, was dem patriarchalischen vordemokratischen Weltbild, in dem die klassische Musik entstanden ist, entspricht. Von der Rock-Popmusik gar nicht erst zu reden und ebenso wenig von der praktisch ausschließlich national, bzw. regional orientierten Weltmusik. Der Jazz, ebenso wie Blues, Soul und Gospel, verkörpert hingegen musikalisch ein demokratisches Weltbild: jeder schafft seine ureigene Version einer oft schon bestehenden Komposition, dadurch entsteht eine unglaubliche Vielfalt. Alle großen - und es gab fast gar keine anderen!, Jazzmusiker waren zugleich auch Arrangeure, die ohne "Copyrightstress" (ganz im Gegensatz zu der heutigen "Jazzszene", in der jeder auch "Komponist" ist) in den allermeisten Fällen von anderen verfasste Tunes neu interpretierten. D.h. es gab nur wenige "auserwählte" Komponisten, dafür eine Heerschar von unglaublichen Arrangeuren. Und das in einem Zeitraum von ca. sechs Jahrzehnten (1910 - 1968). 

Dann kam 1968 die gesellschaftliche Verhippiesierung (die gab es Jahrzehnte zuvor bereits wesentlich spannender - allerdings in einem sehr elitären Kreis, auf dem Monte Verità) und Verpopung; danach war alles anders. Der Jazz verlor schrittweise seine Bedeutung, da halfen auch die Versuche, mit dem Rock (Fusion: Virtuosität statt Spiritualität) oder der Avantgarde (Free Jazz: politisches "Bewusstsein" statt musikalischer Auseinandersetzung) zu liebäugeln, auf die Dauer nichts. Mit Ausnahme des Genies Keith Jarrett und weiteren  Interpreten der frühen ECM-Ästhetik, die sich unterdessen aber ebenfalls in Luft und Beliebigkeit aufgelöst hat. Und so ist der heutige europäische Jazz mehr oder weniger im universitären Getto oder, gemäss der Forderung "Kauft regionale Produkte", in zigtausenden "Gräzln" von Südfrankreich bis Nordschweden - sprich bei Freunden unter sich (oder bei ACT), in der beinahe kompletten Bedeutungslosigkeit verschwunden. Aber nachdem es zum Glück noch Mario Rom gibt, lebt der Jazz zumindest noch ein wenig weiter..:-)

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